exyle.de

Laufmaschine      Pozuzo      Pilgerstaffel      Cursores      Gobi      Null auf 6000      Tour de Pfand      Atacama      Eisstaffel      Eiserner Vorhang      Inkastaffel      Hamar-Daban      Mongolei      Seidenstraße

Staffellauf auf dem Jakobsweg zum Ende der Welt


»Man kann laufen so weit man will, man sieht überall nur seinen eigenen Horizont.«

Max von Eyth


Niemand hatte jemals vor nach Santiago de Compostela zu pilgern. Hingelaufen sind wir trotzdem. Auf ‚dem’ Jakobsweg vom Rheinland bis nach Galicien in Nordwestspanien, in zwei Etappen. Schon häufiger waren wir in den letzten Jahren auf Staffelläufen unterwegs, doch Jakobsweg oder Santiago de Compostela waren nie ein Thema. 2013 sind wir dann quer durch Frankreich bis nach Cognac gelaufen. Nun ist es ja heutzutage so, dass man, insbesondere wenn man (oder frau) in Mitteleuropa Richtung Westen auf Wanderwegen unterwegs ist, sich zwangsläufig auf einem Jakobsweg befindet, welcher nach Santiago de Compostela führt. Hier scheint mit missionarischem Eifer jede wanderbare Route in das ‚Jakobswegenetz’ eingewoben zu werden. Ist auch nicht weiter schlimm, so waren wir auf jeden Fall auf einem (mehr oder weniger) gut ausgeschilderten Weg unterwegs.

2013, erste Etappe: Königswinter – Cognac, 1300 km in 123 Stunden.Pilgertechnisch völlig unbedarft machen wir uns vom Rhein aus auf den Weg. 12 Läufer(innen) aufgeteilt auf drei Teams laufen nonstop Tag und Nacht. Laufrichtung: Westen, der untergehenden Sonne entgegen. Den unweigerlich anzutreffenden Jakobsmuscheln folgend ist jeder Läufer alleine unterwegs auf seiner Etappe. Die Läufer suchen ihre Route per GPS und Karte, zudem laufen wir Tag und Nacht. Kein Läufer, der nicht mal mit Fragezeichen auf der Stirn inmitten eines französischen Dorfes steht oder eine ‚Abkürzung’ durch Dornengestrüpp nimmt, da der Jakajobsweg nicht immer gefunden wird. So kommt es auch vor, dass ein Läufer mangels mitgeführter Ersatzausrüstung nachts mit erloschener Stirnlampe und ohne GPS inmitten eines riesigen dunklen französischen Waldgebietes mit angeschlossenem Steinbruch steht. Ganz widerlich sind die Hindernisse, die erst kürzlich durch heimtückische Bauern angelegt worden sein müssen, wie Hecken, Bäche und Weidezäune, oder abgerissenen Brücken, die dem Läufer den Weg erschweren. Es ist so, dass wir auch der Einfachheit halber, fast ganz bis nach Cognac dem Jakobsweg folgen, und dieser uns langsam in seinen Bann zieht. Zwar ist von Pilgern nicht viel zu sehen, aber da ist dann schon der eine Läufer, der ein Pilgerstempelbuch mitführt, sowie die ständigen Hinweisschilder wie weit es noch bis Santiago de Compostela ist.

2015, zweite Etappe, Cognac – Santiago de Compostela - Kap Finsterre, 1300 km in 126 Stunden. Der Jakobsweg lies uns nicht los, dennoch dauerte es zwei Jahre, bis wir unseren Staffellauf fortführten. Diesmal waren es 11 Läufer(innen), die sich von Cognac aus über die Pyrenäen, weiter nach Westen auf den Weg machten. Nachdem die Überbrückungsetappe bis zu den Pyrenäen geschafft war, befanden wir uns auf der 1000 km langen Zielgeraden. Ab den Pyrenäen gab es eine einschneidende Veränderung: ab jetzt waren wir nicht mehr alleine unterwegs. Mit jedem Tag nahm die Zahl der Pilger zu, um dann auf den letzten 100 Kilometern vor Santiago de Compostela ihre Höchstzahl zu erreichen. Auf unserem Weg überholen wir ständig Gruppen oder allein vor sich hin trottende Pilger aus aller Welt. Nur am Abend und in der Nacht sind wir alleine unterwegs. Die Orientierung ist einfach, sobald man nicht alle paar Meter auf gelbe Richtungspfeile, kleine Steinmännchen, geflochtene Holzkreuze oder Marienbildchen trifft, ist man falsch. Allerdings ist der Großteil der Strecke alles andere als aufregend oder landschaftlich reizvoll. Aber es gibt eine Unmenge an kleinen Cafes und Restaurants am Wegesrand, die eine perfekte Versorgung der Läufer- bzw. Pilgerschar sicherstellt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass wir ohne größere Probleme mit durchschnittlich 10 Kilometer die Stunde am fünften Tag um neun Uhr morgens die Kathedrale von Santiago de Compostela erreichen. Unser endgültiges Ziel Kap Finisterre, das Ende der Welt, erreichen wir wenige Stunden später. Uns ist doch etwas wehmütig zumute, denn von hier geht es Richtung Westen nur noch im Boot oder schwimmend weiter...


Jahr Juli 2013/Juli 2015
Distanz ca. 2500 km
Dauer 2 x 5 Tage
Ort Westeuropa
Route 2013: Königswinter - Eifel - Cognac
2015: Cognac - Pyrenäen - Santiago de Compostela - Kap Finisterre
Team 2013: Frank Hülsemann, Hermann/Julius/Constantin Ulrich, Thomas Mauel, Bernhard Pfeifer, Volker Brusius, Sabine Korz, Thomas Schertel, Joe Körbs, Klaus Eistert, Alrun Speicher
2015: Frank Hülsemann, Hermann/Julius/Constantin/Charlotte Ulrich, Thomas Mauel, Bernhard Pfeifer, Volker Brusius, Sabine Korz, Thomas Schertel, Jonas Hebchen, Fabian Kremser