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Entlang der Seidenstraße von China nach Istanbul und weiter nach Köln


»Man gründete in den fruchtbaren Landschaften Ackerkolonien. Man richtete längs der wichtigsten Straßen in bestimmten Entfernungen Herbergen zum Wechseln der Pferde und Poststationen ein. Die Überbringer von dringenden Botschaften und die hin und her reisenden Dolmetscher übten zu jeder Jahreszeit ihre Tätigkeit aus. Die Hu und die Fremden, welche sich dem Handel hingaben, klopften täglich an den Barrieren, damit man sie ihnen öffne.«

aus dem Hou Hanshu (5. Jahrhundert)


Was ist das Besondere an einer Befahrung der Seidenstraße mit dem Fahrrad? Nun, für jeden einzelnen Radfahrer ist dies mit Sicherheit ein Überwältigendes, hart erkämpftes Erlebnis. Persönlich für mich gesehen, war es sogar ein einschneidendes und prägendes Erlebnis. Im wahrsten Sinne des Wortes war in meinem Leben danach vieles nicht mehr so wie vorher. Vier Monate unterwegs auf einer Jahrtausende alten Handelsroute, welche seit Menschengedenken Europa und Asien verbindet. Vier Monate unter Menschen und in Kulturen, die komplett fremd waren. Schon lange hegte ich den Wunsch die Länder beschrieben von Marco Polo oder Sven Hedin zu bereisen - und dann ergab sich die Möglichkeit mit zwei Freunden aus Köln dies zu unternehmen. Dass wir drei nicht die Einzigen waren, die solch einen Traum hegten wurde uns bald klar. Jedes Jahr brechen Radfahrer auf, um die Seidenstraße von Ost nach West oder von West nach Ost zu befahren. Dies war vor dem Jahr 2000 so, so war es im Jahr 2000 und natürlich ist es heute immer noch so.

Jeder, der sich auf eine solche Reise begibt, lernt viel. Über sich selbst, seine Radfahrkollegen. Aber insbesondere über die Welt und andere Menschen. Die Seidenstraße ist seit jeher ein Schmelztiegel vieler Kulturen, Weltanschauungen und Religionen. Und nur wer sich darauf einlässt wird durchkommen. Und man muss sich einlassen, man muss verstehen lernen und andere Ansichten und Lebensweisen akzeptieren. Wir waren Gäste, hatten unser Fahrrad als Rückzugspunkt und dies gab uns eine Freiheit, die wir so bisher noch nicht kannten. Man darf sich solch eine Tour nicht als Spaßveranstaltung vorstellen, aus der man jederzeit aussteigen kann. Wir drei waren auf uns angewiesen und mussten miteinander auskommen. Es gab Tage, da haben wir nicht miteinander gesprochen, haben uns gegenseitig innerlich verflucht. Aber wir haben zusammengehalten, 14400 Kilometer und 118 Tage lang. Wir haben geschwitzt und gefroren, gekotzt und dünn geschissen, freundliche und unfreundliche Menschen getroffen, sind bedroht und eingeladen worden, haben atemberaubende Landschaften gesehen und sind fast tot gefahren worden.

Schlussfolgernd war dies also eine ganz normale Reise entlang der Seidenstraße auf der wir genau dies erlebt haben, was die Reisenden hier seit Jahrtausenden erleben, und was genau den Reiz dieser Route ausmacht. Aber etwas Besonderes gab es doch: es ist heute vielleicht schwer vorstellbar, aber wir befanden uns im Jahr 2000 und alle befanden sich im Internet-Fieber. Und auch wir gerieten da rein, urprünglich ging es uns darum die Reise an sich finanzieren zu können, dies war uns als Studenten nur über Sponsoring möglich. Und hier hatten wir den Anschein, dass man nur den Begriff 'Internet' und 'Berichte von unterwegs' fallen lassen musste, um ins Gespräch zu kommen. Wir fanden auch einige Sponsoren, über die wir unser benötigtes Material decken konnten. Der weit spannendere Teil war dann von der Seidenstraße Bilder und Nachrichten online zugänglich zu machen. Es gab zwar grundsätzlich alle paar Tage Internet-Cafes auf unser Strecke, die Übermittlung der Daten und insbesondere der Bilder raubte uns allerdings häufig den letzten Nerv. Nicht nur, dass es Ewigkeiten dauerte ein 100 Kilobyte Bild aus China, Zentralasien oder dem Iran zu versenden, das ganze Prozedere damals war extrem umständlich. Der Chip der Digitalkamera musste in einen Diskettenadapter gesteckt werde, dann musste man einen Rechner mit Diskettenlaufwerk finden, die Treiber installieren und dann endlich konnte irgendwann byte für byte das Bild per email verschickt werden, in Köln setzte man dann die Bilder nach Empfang auf unsere homepage. Trotz dieses heute kaum mehr vorstellbaren Aufwandes schafften wir es als eine der ersten unbegleiteten Radtouren Bilder von unserer Reise (fast) in Echtzeit online zu präsentieren...

Jahr Mai-August 2000
Distanz 14400 km
Dauer 4 Monate
Ort Asien, Europa
Route Xi'an - Kashgar - Kirgistan - Tadjikistan - Usbekistan - Turkmenistan - Iran - Kurdistan - Syrien - Türkei -(Fähre)- Venedig - Köln
Team Frank Hülsemann, Torsten Walter, Thomas Pietrek