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Auf dem Weg deutscher Einwanderer über die Anden


»In den kalten Gegenden von Peru ist die Luft ungemein dünn, daher wird einem das Athmen sehr schwer, und sie macht eine sehr ungünstige und widerliche Einwirkung auf den Körper, vorzüglich auf jenen, welche zu Fuß laufen mußten. Dann in einer solchen Kälte, daß in der Früh alles mit Reif belegt und der Boden gefroren, unter freiem Himmel schlafen – bloß ein paar Decken, oder oft diese nicht, wenn die Treiber manchmal nicht nachkamen – dieses war nicht zum Aushalten.«

ein Auswanderer nach Pozuzo im Jahr 1858


Im Juli 1857 erreichen deutsche Auswanderer von der Mosel und aus dem Westerwald zusammen mit Österreichern per Schiff die Küste von Peru und begeben sich auf einen Fußmarsch quer über eines der höchsten Gebirge der Erde: den Anden. Ihr Ziel Pozuzo liegt auf der anderen Seite der Berge tief verborgen im Dschungel an einem Zufluss des Amazonas. Aus Europa geflohen vor Hunger und Armut, soll hier in Peru ihre neue Heimat entstehen. Doch zuerst müssen sie die peruanische Küstenwüste durchqueren, Höhen jenseits von 4800 m überwinden und sich durch das Dickicht des Dschungels schlagen, bevor sie mit ihren Familien ihr neue, fremde Heimat erreichen sollen.

Genau 159 Jahre später breche ich zusammen mit Markus de Marees erneut zu Fuß vom Pazifik Richtung Pozuzo auf. Ausgerüstet sind wir mit Kleidung, Ernährung und Gepäck vergleichbar derer, wie sie im 19. Jahrhundert gebräuchlich war. Ziel ist es die Ausrüstung aus dem 19. Jahrhundert auszuprobieren und die Strapazen und Entbehrungen der ersten Einwanderer von 1857 nachzuerleben. Wir folgen der Originalroute der Einwanderer quer über die peruanischen Anden. Ausgerüstet unter anderem mit Filzhose und -jacke, einer original hölzernen Rückentrage von 1830 (Kraxe), Weinschläuchen und für die Nacht mit einfachen Wolldecken, legen wir insgesamt 350 km zu Fuß zurück. Von den trocken-heißen Regionen an der peruanischen Küste über die kalten Pässe der Andenhochregionen bis in die Minenstadt Cerro de Pasco und hinunter in das schwülwarme Klima des Amazonas.

Trotz gesundheitlicher Probleme und gezeichnet von den Herausforderungen des Marsches erreichen wir Anfang August 2016 die Kolonie Pozuzo, welche auch heute noch in Architektur und Kultur von den ersten Einwandern aus dem 19. Jahrhundert geprägt ist. Über 100 Jahre waren die Kolonie Pozuzo und deren Bewohner fast vergessen im Urwald, doch heute erlebt die Kolonie, dank aufkommendem Tourismus einen neuen Aufschwung. Doch den Weg zu Fuß vom Pazifik über die Anden unternimmt heutzutage keiner mehr zu Fuß. Wir wissen warum...


Jahr Juli/August 2016
Distanz ca. 350 km
Dauer 20 Tage
Ort Peru
Route Huacho - Chiuchin - Cerro de Pasco - Pozuzo
Team Frank Hülsemann, Markus de Marées