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Langzeitprojekt · laufend

Bikesteigen

Die Seven Summits des Radfahrens

Mit dem Uphill-Bike auf der Suche nach den höchsten tatsächlich bergauf fahrbaren Punkten der Kontinente.

„... aber es gibt Stellen, die sind so steil, da ist das [Radfahren] rein physikalisch gar nicht mehr möglich. Hier fährt kein Mensch Rad. [...] Es gibt halt physikalische Grenzen.“

Guido Kunze, am Ojos del Salado, Chile 2014

Fast jeder Radfahrer kennt das: Irgendwann kommt eine Steigung, an der man nicht mehr hochfahren kann. Es fehlt die Kraft, die Beschleunigung, das Hinterrad rutscht durch, das Vorderrad kommt hoch. Mit dem Trend zum E-Bike sind viele Herausforderungen für jeden machbar. Solange der Akku hält, kann man fahren — Steigungen scheinen kein Problem mehr.

Und so kann fast jeder Winkel dieser Erde motorisiert radfahrerisch erreicht werden. Fast jeder. Üblicherweise bewegen wir uns als Radfahrer auf befestigten Wegen oder Pfaden. Manche dieser Wege führen sehr hoch, sehr, sehr hoch. Immer wieder gibt es Fahrer, die versuchen, diese hohen Wege mit dem Fahrrad zu bewältigen. So auch wir 2010 am Ojos del Salado. Schon vor uns waren Radfahrer dort und haben ihr Gefährt mitunter bis zum Gipfel getragen. Nach uns kamen weitere — mit Fatbike oder Akku. Alle erlebten es ähnlich wie wir: Oberhalb von 5000 Metern ist es nur in Ausnahmesituationen möglich, bergauf zu fahren. Klar könnte man schieben, aber es heißt ja immer noch Fahr-rad und nicht Schiebe-rad.

Unterhalb des Pic Blanc auf 3230 Metern in den Alpen, September 2024
Unterhalb des Pic Blanc (3230 m), Alpen — September 2024

Manch einer vermutet am Ojos del Salado schon die Grenzen der Physik. Andere versuchen es lieber ganz woanders. Und manche erklären, dass es dort mit dem Fahrrad unmöglich sei. Alles legitim, alles nachvollziehbar. Aber sind wir alle, die wir uns an Vulkanen Südamerikas oder im Himalaya versucht haben, wirklich konsequent vorgegangen? Wieso setzen wir uns jenseits von 4000 Metern auf Fahrräder, die dafür gebaut wurden, im Schwarzwald, in den Alpen oder auf dem Rheinuferradweg gut auszusehen? Was ist, wenn man die Schwächen handelsüblicher Mountainbikes in Sachen Bergauffahrfähigkeit systematisch ausbügelt? Schließlich gibt es Downhill-Bikes. Wieso nicht — zumindest ein — Uphill-Bike?

In den Corona-Monaten wurde gerechnet, ausprobiert und in der Garage gebaut. Alte Rahmen wurden zerlegt und neu zusammengesetzt, Gebrauchtteile besorgt, mit Sponsoren diskutiert und an Details gefeilt. Es dauerte länger als gedacht. Aber im Spätsommer 2021 war der erste echte Test erfolgreich: die Befahrung des als unfahrbar geltenden Theodulpasses auf 3295 Metern — mit Steigungen bis zu 40 Prozent auf Schotter, komplett gefahren, kein Meter geschoben.

Auf dem Theodulgletscher auf 3400 Metern in der Schweiz, September 2024
Auf dem Theodulgletscher (3400 m), Schweiz — September 2024

2022 sollte es in den russischen Teil des Kaukasus gehen. Aus bekannten Gründen wurde daraus nichts. Stattdessen gab es einen erneuten Test in den Alpen. Eine Erkenntnis: Das Rad war zu lang. Für 2023 wurden zwei kürzere Versionen gebaut und am Pic Blanc erprobt — wegen Wintereinbruch leider nur bis 3065 Meter. 2024 folgten ein weiterer Versuch am Pic Blanc bis 3230 Meter und die Testa Grigia am Theodulpass auf 3480 Meter. Danach war klar: Zeit, nach etwas Höherem Ausschau zu halten.

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