EXYLE

Oktober 2010

Gobi

Zu Fuß durch die Wüste Gobi

450 Kilometer in zehn Tagen: eine Nord-Süd-Durchquerung des mongolischen Teils der Gobi, weitgehend abseits von Pisten.

Zu Fuß durch die Wüste Gobi

»Dort macht die Landschaft auf den Wanderer einen geradezu deprimierenden Eindruck; nur selten erblickt er auf dem mit der glänzenden Rinde des Wüstenlacks überzogenen Steinpanzer einmal einen zwergwüchsigen Laub- oder Nadelbaum.«

Eduard Makarovich Mursajew, 1954

Vom Nordrand der Wüste Gobi bis kurz vor die chinesische Grenze: das Projekt war eine Nord-Süd-Durchquerung des mongolischen Teils der Wüste. Nachdem Michael Giefer 2004 und 2009 bereits zweimal versucht hatte, die Gobi von Nord nach Süd zu durchqueren, sollte es im Oktober 2010 endlich gelingen.

Zu zweit brachen wir in der Provinzhauptstadt Bayankhongor zu Fuß nach Süden auf. Ziel war es, ohne motorisierte Unterstützung und nur mit den Versorgungsmöglichkeiten unterwegs in zehn Tagen eine rund 450 Kilometer lange Strecke zu bewältigen. Unsere Erfahrungen aus Sibirien und aus verschiedenen Wüstenprojekten halfen – trotzdem war klar, dass uns ein Aufbruch in eines der unbesiedelten Gebiete der Mongolei bevorstand.

Von Bayankhongor ging es zunächst über Jinst an das Westufer des abflusslosen Salzsees Orog Nuur und von dort über einen 2700 Meter hohen Pass des Gobi-Altai hinein in die Trans-Altai-Gobi. Nach fünf Tagen erreichten wir Bayanlig. Von hier führte der Weg mit etwa 25 Kilogramm Gepäck weiter nach Süden und damit immer tiefer in nahezu unbewohntes Wüstengebiet.

Unterwegs durch die Steinwüste der Gobi
Unterwegs durch die Steinwüste

An einem letzten Brunnen füllten wir die Wasservorräte auf, um die folgenden 170 Kilometer durch fast wasserfreies Gebiet bewältigen zu können. Über den sumpfigen Zulganai Gol, die Dünenlandschaften des Tsagaan Els und die Canyonlandschaft von Khermen Tsav erreichten wir schließlich Ekhiin Gol, eine bewohnte Oase rund 70 Kilometer nördlich der chinesischen Grenze.

Etwa 80 Prozent der Strecke verliefen querfeldein abseits von Pisten. Nach Möglichkeit wählten wir den direkten Weg, was besonders in der Gebirgslandschaft des Gobi-Altai nicht immer möglich war. Praktisch das gesamte Essen trugen wir von Anfang an mit; nur in Jinst und Bayanlig ergänzten wir kleinere Vorräte.

Richtung Ekhiin Gol in der Südgobi
Richtung Ekhiin Gol

Täglich waren wir von vor Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang unterwegs. Dank eines leichten Grundgepäcks konnten wir Tagesleistungen bis zu 55 Kilometer erreichen. Der spät einziehende Winter machte den Oktober ungewöhnlich warm: anfangs gab es nachts noch bis zu minus zehn Grad, in der Südgobi stiegen die Temperaturen tagsüber schließlich auf bis zu 25 Grad.