Staffellauf auf dem Jakobsweg zum Ende der Welt
»Man kann laufen so weit man will, man sieht überall nur seinen eigenen Horizont.«
Niemand hatte jemals vor, nach Santiago de Compostela zu pilgern. Hingelaufen sind wir trotzdem. Auf dem Jakobsweg vom Rheinland bis nach Galicien in Nordwestspanien, in zwei Etappen.
Schon häufiger waren wir in den letzten Jahren auf Staffelläufen unterwegs, doch Jakobsweg oder Santiago de Compostela waren nie ein Thema. 2013 sind wir dann quer durch Frankreich bis nach Cognac gelaufen. Wer in Mitteleuropa Richtung Westen auf Wanderwegen unterwegs ist, befindet sich inzwischen fast zwangsläufig auf irgendeinem Jakobsweg. So waren wir auf jeden Fall auf einem mehr oder weniger gut ausgeschilderten Weg unterwegs.
Die erste Etappe führte 2013 von Königswinter nach Cognac: 1300 Kilometer in 123 Stunden. Zwölf Läuferinnen und Läufer, aufgeteilt auf drei Teams, liefen nonstop Tag und Nacht. Jeder war allein auf seiner Etappe unterwegs, mit GPS, Karte und den Jakobsmuscheln als Orientierung.

Nicht immer war der Weg eindeutig. Manche Abkürzung endete im Dornengestrüpp, nachts standen Läufer plötzlich ohne Licht oder GPS in dunklen Waldgebieten, und auch Hecken, Bäche, Weidezäune oder abgerissene Brücken erschwerten den Weg. Trotzdem zog uns der Jakobsweg immer mehr in seinen Bann.
2015 folgte die zweite Etappe: Cognac – Santiago de Compostela – Kap Finisterre, erneut rund 1300 Kilometer, diesmal in 126 Stunden. Ab den Pyrenäen waren wir nicht mehr allein. Mit jedem Tag nahm die Zahl der Pilger zu, bis sie auf den letzten 100 Kilometern vor Santiago ihren Höhepunkt erreichte.

Am fünften Tag erreichten wir morgens die Kathedrale von Santiago de Compostela. Wenige Stunden später standen wir am Kap Finisterre, dem Ende der Welt. Von dort geht es Richtung Westen nur noch im Boot oder schwimmend weiter.
