Der Versuch, etwas Unbelegbares zu belegen
Mit Rekorden ist es so eine Sache. Besonders dann, wenn man sich in ein Gelände begibt, in dem Messen und Belegen schwierig wird – zum Beispiel, wenn man mit dem Fahrrad auf über 6000 Meter über dem Meer fahren will. Fahren, nicht schieben oder tragen. Die zentrale Frage lautete: Wie hoch können wir mit einem Fahrrad wirklich fahren?
Als Ziel wählten wir den Ojos del Salado in Chile, 6893 Meter hoch und nur ungefähr 350 Kilometer vom Pazifik entfernt. Drei Fahrer, drei Begleiter, fünf Wochen Zeit und ein großer logistischer Aufwand mit Wasser, Sprit, Begleitfahrzeugen und Akklimatisation bildeten den Rahmen des Versuchs.

Ende März 2010 starteten wir den eigentlichen Versuch. Das Ergebnis war zunächst eindrucksvoll: ein Foto des Fahrradlenkers mit zwei GPS-Geräten und einer Höhenangabe von 6085 Metern in der erweiterten Gipfelregion des Ojos del Salado. Schwieriger als das Erreichen dieser Höhe war jedoch die Frage, ob die gesamte Strecke tatsächlich als durchgehendes Fahren belegt werden konnte.
Zur Auswertung dienten GPS-Geräte, die jede Bewegung des Fahrrads aufzeichneten. Gerade beim Anfahren und Anhalten entstehen jedoch Datenpunkte, denen nicht immer eine echte eigenständige Fahrbewegung zugrunde liegt. Nach der Bereinigung der Daten blieb eine entscheidende Lücke: In einer extrem sandigen Passage oberhalb der Refugio Atacama, auf etwa 5305 Metern, ließ sich keine eindeutige Fahrbewegung mehr dokumentieren.

Danach konnten wir zwar weiterfahren und erreichten später noch deutlich größere Höhen, doch der lückenlose Nachweis einer durchgehenden Fahrt war dort unterbrochen. Damit lag die belegbare Höhe, die wir vom Meer aus fahrend erreichen konnten, bei etwa 5305 Metern. Ironischerweise hatten wir im Rahmen der Akklimatisation am Sairecabur bereits etwa 5750 Meter fahrend erreicht. Am Ende blieb die wichtigste Erkenntnis: Der limitierende Faktor ist nicht nur die dünne Luft, sondern vor allem schlechter Untergrund und das Ende fahrbarer Pisten.











